Was passiert, wenn man bewusst einen anderen Weg geht und sich für echte Verbindung mit Boden, Tier und Natur entscheidet? Heiko und Verena haben genau das getan. Am Hopi Hof verbinden sie Weinbau und Tierhaltung auf eine Weise, die nicht nur Produkte hervorbringt, sondern ein ganzes System sichtbar macht. Im Gespräch geht es um Haltung im doppelten Sinn und um den Versuch, die Welt ein kleines Stück besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat.
Hallo Heiko, du betreibst den Weinbau und die Tierhaltung gemeinsam mit deiner Frau Verena, aber ihr kommt beide ursprünglich aus anderen Bereichen. Was hat euch dazu bewegt, euer Leben so zu verändern und in die Landwirtschaft einzusteigen?
Das ist eine Frage, die wir uns selbst immer wieder gestellt haben. Die Antwort ist, dass wir das tun wollten, was uns wirklich erfüllt und Sinn gibt. Wir wollten etwas für diesen Planeten tun und vor allem für die nächsten Generationen. Wir haben selbst die nächste Generation, wir haben Kinder. Das war der Ursprung.
Wir wollten weg von Dingen, die uns von der Erde entfernt haben. Ich wollte etwas produzieren, etwas herstellen, etwas Handwerkliches tun. Ein bisschen mehr Bodenhaftung, mehr Erdung. Das waren die Dinge, die mich getrieben haben. Für Verena als Tierärztin war das Thema von Beginn an mit ihrer Tätigkeit verbunden.
Der Name „Hopi Bauer“ geht auf die Hopi zurück. Was bedeutet diese Ausrichtung für euren Alltag?
Die Hopi-Indianer sind nach den Überlieferungen eines der wenigen Völker, welches nie Krieg geführt hat. Sie haben eine spirituelle Überlieferung, die viele berührt. Mich haben dabei vor allem bestimmte Geschichten angesprochen.
Eine davon ist, dass die Hopi in sehr trockenen Gegenden Mais angebaut haben und dafür kilometerweit mit der Gießkanne gegangen sind, um einzelne Pflanzen zu versorgen. Das ist einerseits unglaublich mühsam, andererseits zeigt es eine tiefe Hingabe und eine besondere Beziehung zur Natur. Der Hopi-Mais ist sogar besonders nährstoffreich.
Mich berührt vor allem ihre Sicht auf die Erde, auf das Universum und auf das Leben insgesamt. Wie sie Mutter Erde wahrnehmen und wie sie sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen. Natürlich leben wir heute sehr weit weg von so einer Lebensweise. Aber ich glaube, dass wir uns wieder mehr in diese Richtung bewegen müssten.
Wir können im Moment nur versuchen, in diese Richtung zu produzieren. Gleichzeitig sind auch wir nicht frei von Widersprüchen. Wir exportieren in die Welt hinaus und erzeugen damit CO₂. Wir können nicht alles rein regional vermarkten. Aber wir versuchen, uns an einem Grundgedanken zu orientieren: Wir sind hier nur Gäste und sollten uns auch so verhalten.
Wie zeigt sich die Hopi Philosophie konkret in eurem Alltag?
Vom Grund auf Versuchen wir, den Raum, die Erde und auch die Menschen besser zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben. Darum geht es uns. Wirtschaftlich wäre vieles leichter, wenn wir anders produzieren würde. Wir müssten meine Tiere anders halten, andere Rassen verwenden und vieles effizienter gestalten.
Aber wir arbeiten bewusst mit alten Rassen und mit langsameren, aufwendigeren Formen der Haltung. Das ist wirtschaftlich nicht der einfachste Weg. Trotzdem tun wir es. Natürlich sind wir damit manchmal überfordert. Der Markt zahlt vieles nicht. Vielleicht kommt das noch. Schön wär’s.
Vieles passiert bei euch auch in Handarbeit, auf Pferdeeinsatz und mit sehr viel persönlichem Einsatz. Was ist für euch das Besondere an dieser Arbeitsweise, und wo liegen die Herausforderungen?
Das Thema Pferd ist für mich besonders. Schon vor der Gründung habe ich mit Pferden gearbeitet. Ich habe seit ich elf bin immer mit Pferden zu tun gehabt. Heute kann man natürlich sagen, man macht das wegen des Bodendrucks, und ja: Das stimmt auch. Ein Traktor bringt viel Gewicht auf den Boden, verdichtet ihn und stört die oberen Schichten und die Mikroorganismen. Mit dem Pferd ist das ganz anders.
Aber für mich gibt es noch eine andere Ebene. Wenn du mit Menschen und einem Pferd gemeinsam an einer Fläche arbeitest, dann entsteht eine andere Energie. Es ist nicht nur Arbeit. Es ist eine Beziehung. Zwischen Tier, Mensch und Pflanze entsteht etwas sehr Besonderes. Diese Dreiecksbeziehung ist einzigartig und wunderschön.
Auch eure Hühner leben im Weingarten. Da sieht man gut, wie ihr Haltung und Weinbau miteinander verbindet. Wie wirkt sich das auf Boden, Pflanzen und Tiere aus?
Die Tiere leben bei uns wirklich in der Natur. Wir spritzen nur Demeter Präparate und Tees, dadurch haben sie keine Belastung durch künstliche Mittel oder Rückstände. Sie haben Schatten, Bewegung und einen natürlichen Lebensraum. Das ist wichtig.
Wir haben uns viel damit beschäftigt, wie Hühner im Weingarten sinnvoll integriert werden können. Das Huhn findet dort Würmer und andere Kleintiere, es hat Schatten, Futter und Bewegung. Gleichzeitig bringt es wieder etwas zurück ins System. Diese Verbindung zwischen Tierhaltung und Weinbau ist für uns sehr stimmig.
Ihr wollt bewusst klein bleiben, auch bei den Eiern. Wie geht ihr mit der Herausforderung von Vertrieb und Mengensteuerung um?
Bei den Eiern haben wir das Glück, dass wir eine außergewöhnliche Qualität erzeugen. Das hat viel mit dem Futter und einem von uns speziell zusammen gemischten Kräuterbrei zu tun, die wir den Tieren bieten. Dadurch lässt sich unser Produkt auch zu einem höheren Preis verkaufen.
Aber wir wollen das nicht unbegrenzt ausdehnen, weil wir sonst wieder in die Richtung kämen, aus der wir eigentlich rauswollen. Mehr Menge bedeutet oft auch wieder mehr Kompromisse.
Regionalität, persönliche Beziehung und Herkunftsverständnis spielen bei euch eine große Rolle. Wie wichtig ist euch der Austausch mit den Menschen, die eure Produkte kaufen?
Sehr wichtig. Am liebsten hätten wir nur Ab-Hof-Kundschaft. Aber das geht sich nicht ganz aus. Dieses direkte Feedback, also zu sehen, dass sich jemand über das freut, was man macht, ist unglaublich wertvoll. Das fehlt uns manchmal. Es wäre schön, wenn das noch stärker wäre.
Was würdest du Menschen raten, die sich bewusster mit der Herkunft von Fleisch oder Eiern beschäftigen wollen? Welche Fragen sollten sie stellen?
Man muss sich anschauen: Was kostet dieses Lebensmittel? Wer verdient daran? Was bleibt beim Bauern und wie soll der Bauer mit dem, was bei ihm ankommt, ein wirklich gutes Lebensmittel erzeugen, gute Tierhaltung finanzieren und davon leben?
Wenn man das ehrlich durchrechnet, merkt man schnell, dass vieles nicht zusammenpasst. In der Werbung und im Marketing wird oft ein Bild verkauft, das mit der Realität wenig zu tun hat. Da gibt es eine große Diskrepanz.
Wenn man ehrliche Lebensmittel will, dann müssen diese Produkte eigentlich auch deutlich mehr kosten. Sonst funktioniert das System nicht. Bei uns kosten Eier mehr, aber selbst damit kann man nicht leben, wenn man alles ehrlich rechnet.
Was würdest du dir als Produzent wünschen, damit regionale Landwirtschaft für Konsumentinnen und Konsumenten leichter erkennbar und zugänglicher wird?
Das ist schwierig. Ich setze da ehrlich gesagt wenig Hoffnung auf Politik, weil oft die großen Strukturen und Konzerne besser geschützt werden als die kleinen Bauern. Aber es gibt vielleicht trotzdem Bewegung.
Was ich wichtig finde: Es müsste viel klarer gezeigt werden, was tatsächlich in Lebensmitteln steckt und unter welchen Bedingungen sie entstehen. Ein großer Teil der verarbeiteten Lebensmittel hat mit hochwertiger Erzeugung wenig zu tun. Gerade bei stark verarbeiteten Produkten wird oft etwas verkauft, das mit dem ursprünglichen Lebensmittel nur noch wenig zu tun hat.
Wenn da mehr Transparenz reinkommt, dann wäre schon viel gewonnen. Ich glaube, dass da langsam ein Bewusstsein entsteht. Das wäre zumindest eine Hoffnung.
Danke dir. Das war sehr spannend.
Danke dir.
